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Schlagwort: Trauer

Adieu

Ein Anruf. Mit Tränen in den Augen. Die Stimme braucht ein paar Worte, bis sie richtig funktioniert.Die Tierklinik.
Gestern waren wir dort mit einer unserer Katzen. Seit Tagen frisst sie nicht mehr, liegt nur an einem ihrer Lieblingsplätze. Anzeichen von Nierenproblemen. Die Worte des Arztes zerstören jede Hoffnung. Leberkrebs. Keine Hoffnung. Nicht behandelbar. Es gibt nur die Möglichkeit, das Leiden zu verkürzen. Sie hat zwar keine Schmerzen, aber sie würde vor unseren Augen verhungern, da sie fast nichts frisst.
Wir durften sie dann wieder mit nach Hause nehmen. Um uns zu verabschieden, um den Kind die Möglichkeit zu geben, Abschied zu nehmen.
Das Kind.
Wie erklären wir ihr, was passiert? Ihr, die durch die Familiengeschichte von Verlustängsten gequält wird. Die mit solchen Dingen noch viel weniger klar kommt als wir Großen.
Jetzt also wohl ein Termin am Freitag. Ich sehe die Tränen in den Augen der Liebsten, kann meine kaum unterdrücken. Arbeiten gehen, die Gedanken spielen verrückt. Wir müssen stark sein. Das Kind braucht uns. Noch war sie nicht wirklich mit dem Tod konfrontiert, zumindest nicht so nah. Noch glaubt sie an den Weihnachtsmann, den Osterhasen. Sie weiß zwar, dass die Katze Krebs hat, aber realisiert noch nicht, was das bedeutet. Und uns fällt die Aufgabe zu, ihr die harte Realität zu erklären. Ihr weh zu tun.
Die momentane Situation mit ihrem leiblichen Vater machen es nicht besser, im Gegenteil. Die nächsten Tage, eventuell Wochen werde der blanke Horror werden. Der Kater und der Hund werden vermutlich auch durch die Wohnung streifen und die verschwundene Schwester und Freundin suchen.
Das Grauen und die Trauer haben einen Namen. Freitag. Die Tränen kommen schon jetzt. Auch hier im Bus, auf dem Weg zur Arbeit, während ich das hier schreibe.

Das Beste ist nicht gut genug

So, ich bin also laut Aussage des Kindes der beste Papa der Welt.
Dabei bin ich noch nicht mal der leibliche Vater.

Und es ist mir egal…

Es macht keinen Unterschied…

Ich habe auch einen leiblichen Sohn, zu dem ich leider keinen Kontakt habe. Warum und wieso soll jetzt nicht das Thema sein. Vielleicht ein anderes Mal. Es ist eine eigene Geschichte, eine lange Geschichte. Nicht heute.

Heute geht es um ein 7 Jahre altes Mädchen, das ich liebe, als ob es meine eigene Tochter wäre. Diesem Mädchen geht es nicht gut, sie leidet. Sie ist wütend, sehr wütend. Sie ist traurig. Sehr traurig. Wir spüren es jede Minute, die sie wach ist. Ein Wunder, dass sie trotzdem schläft. Es ist der Vater. Der leibliche. Alkohol kann ein Fluch sein. Er kann eine Siebenjährige zu Sätzen bringen, die einem das Herz zerreissen. Die einen wütend machen auf den Verursacher. Die Wut hilft nur nicht weiter. Es bringt dem Kind genau gar nichts. Also halten wir irgendwie durch, sind für das Kind da. Trösten es, reden, streicheln, erklären jeden Tag wieder aufs Neue. Versuchen einfach da zu sein, Gute Eltern zu sein.

Wir haben uns auch Hilfe geholt. Professionelle. Eine Beratungsstelle. Irgendwann ist man einfach mit seinem Latein am Ende. Wir scheinen auf einem guten Weg zu sein, zumindest wurde uns das gesagt. Wir scheinen soweit erst einmal alles richtig gemacht zu haben. Das beruhigt zwar irgendwie, gibt Vertrauen in das eigene Tun, aber einfacher wird es nicht. Der tägliche Kampf, die Wutanfälle, die direkt danach bereut werden, die Trauer, die Selbstvorwürfe des kleinen Herzens. Das alles zehrt an unseren Nerven. Vom normalen Real Life zwischen Arbeit, Einkauf und zu wenig Schlaf mal ganz abgesehen.

 

Und dann fallen zwischen all diesem Wahnsinn einfach so ganz nebenbei auf der Couch diese Worte…

Der beste Papa der Welt. Wow.

Sprachlos. Stolz wie Bolle. Glücklich.

 

Und traurig.

 

Denn leider wird sie nicht sagen, ihr seid die besten Papas der Welt. Dafür ist im Moment zu viel Hass, Wut und Trauer in ihr.

Aber vielleicht kann sie es ja irgendwann einmal sagen. Von ganzem Herzen. Das würde mich dann noch viel glücklicher machen, denn es würde bedeuten, dass auch sie es wieder viel mehr sein kann, als es im Moment der Fall ist.

Denn das Beste ist nicht gut genug.