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Schlagwort: Küche

Der Rhythmus im Kopf

Oh…
eigentlich wollte ich ja heute noch was schreiben. Über Köche, Küchen, Stress und Spass.

Hoppla.

Das Bett und der 12 Stunden Arbeitstag morgen verhindern das aber.  Es ist jetzt kurz nach 3 und in etwas mehr als 5 Stunden klingelt der Wecker. Es wird also heute nichts mehr mit mehr als dem hier. Irgendwie mussten aber noch ein paar Worte raus. Der Tag heute war hart. Ein Dienstag im Februar, der sich wie ein Samstag mitten im besten Terrassengeschäft im Sommer anfühlte. Als gäbe es keine anderen Restaurants in Heidelberg.

Was wirklich schlimm war? Nicht der Tag, nicht der Stress, nicht die Hitze am Grillposten. Nein, es war die Musik. Deutscher HipHop, den zumindest ein Teil der Kollegen ab und an ganz gerne mag. Ist mir ja eigentlich egal, aber am Grillposten gebe ich zum Großteil auch den Takt vor, nach dem sich der Rest der Küche zu richten hat. Filetsteaks, Burger, Fisch. der Rest der Posten richtet sich nach mir. Beilagen, Salate, etc.

Das Problem?

Zu Deutschrap finde ich keinen Rhythmus. Konsequenz? Der Kopf muss seine eigene Musik machen. Heute war mal wieder ein Tag für Pantera. Schnell, hart, laut.

Es hat funktioniert. Das Ohr nimmt zwar die Musik im Hintergrund wahr, aber das Gehirn schafft es irgendwie diese Musik in etwas komplett anderes umzuwandeln.

Und heute? Heute war mein Rhythmus mal wieder das hier:

Diese Tage…

Kein Mensch braucht sie. Kein Mensch will sie.Nur leider passieren sie. Überrumpeln Dich. Mit einer Dampfwalze.
Leise flüstert eine Stimme in Dein Ohr, dass auch so ein Tag zu Ende geht, aber Du hörst es kaum, da die Realität mit aller Macht in Dein rechtes Ohr brüllt und Du mit dem linken Ohr die Stimme des Kollegen hörst, der die nächsten Essen annonciert, die zu kochen sind,
Der Bondrucker spuckt die nächsten Tische aus, der Grill ist voll, der Herd ist voll. Lärm, Stress, zu viele Stimmen.
Du bist in Deiner eigenen Welt, funktionierst blind. Bis Du an den heissen Pfannengriff fasst und „Scheisse“ brüllst. Egal, weiter, der nächste Tisch ist abgerufen.
Der Kopf will nicht mehr, Herzschlag 180.

Feierabend.

Nur dumm, dass Kopf und Körper das noch lange nicht realisieren. Im Kopf immer noch zu viele Stimmen, der Körper auch immer noch im Speed-Modus.

Alltag.

Gestatten, Baron Münchhausen, Chef

Ich bin Koch und ich bin es gerne. Punkt.
Man fragt sich aber manchmal schon, warum man sich das antut.
Warum man den Stress, die Arbeitszeiten, die nicht gerade tolle Bezahlung in Kauf nimmt.

Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, etc.? Fehlanzeige in den meisten Fällen.

Klar, es gibt auch als Koch oder im Service Jobs, in denen es das alles gibt, aber das sind meistens Stellen in Kantinen oder großen Hotelketten.
Ist für manche sicher das Richtige, aber nicht für mich.
Trotzdem liebe ich meinen Job. Ich arbeite in einem guten Team, das auch gerade in der letzten Zeit immer mehr zusammenwächst. Wir sind engagiert, arbeiten gerne zusammen, kommunizieren miteinander.

Was ich aber auf den Tod nicht ausstehen kann, ist wenn man mich verarschen möchte.

Vor allem, wenn es ums Geld geht. Da hört der Spaß auf. Weder kann, noch will ich es mir gefallen lassen, angelogen zu werden.
Ich gestehe es jedem zu, dass es mal ein Problem mit einer Überweisung geben kann, aber über Monate ein komplettes Küchenteam immer wieder tage- oder in manchen Fällen wochenlang, auf sein Geld warten zu lassen, das geht nicht.
Wir haben Singles, Pärchen und Familien im Team und alle sind auf pünktliche Gehaltszahlungen angewiesen.
Warum also lügt man uns an? Behauptet, das Geld wäre längst überwiesen?
Ich bin bei der gleichen Bank, eine Überweisung dauert in dem Fall, und das hat mir die Bank auf Nachfrage auch bestätigt, keine 5 Minuten.
Ich warte seit 5 Tagen. Leider bin ich gerade krank geschrieben und sitze zuhause.
Es wurde mir mehrmals gesagt, das Geld wäre überwiesen.

Tja, leider ist da nichts.

Bedeuten unseren Chefs Ihre Mitarbeiter so wenig, dass man meint, sie einfach vertrösten zu können, anlügen zu können?

Anscheinend Ja, denn sonst würde es nicht immer wieder passieren.

Und jetzt sitze ich also hier, telefoniere mit Kollegen, schreibe SMS.
Unser Küchenchef hört in knapp 2 Wochen auf, ihm ist inzwischen eh ziemlich egal, was passiert. Sein Nachfolger ist wahrscheinlich auch betroffen, ich habe allerdings im Moment keine Ahnung, was er unternimmt, bzw. ob er sich traut, wirklich den Mund aufzumachen und auf den Tisch zu hauen.
Gegenüber wohnt ein Rechtsanwalt, den wir kennen. Hoffen wir mal, es muss nicht soweit kommen.

Münchhausen