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Schlagwort: Familie

Ruhe

Ich sag es mal so:

Bis jetzt ist Weihnachten von unserer Seite her ziemlich entspannt, nur die Familie leistet sich Zickereien und Kindergarten-Verhalten. Egal, morgen gibt es Raclette und heute Curry. Deren Stress kann mich mal.

 

 

Es wird

Heute erstmal ganz und gar nicht weihnachtlicher Rock’n’Roll. 12 Sänger aus verschiedenen Bands hier aus der Gegend. Da sind richtig gute Leute dabei. Genau richtig, um sich auf Heiligabend einzustimmen. Das volle Brett eben.
Den Weihnachtsstreit haben wir auch irgendwie schon hinter uns. Essen bzw. Einkauf ist auch alles da. Für heute ist auch schon fertig gekocht.
Die Feiertage können kommen.

Fellknäuel

Drei Haustiere in knapp 9 Monaten einschläfern lassen zu müssen. 
Danke für gar nichts, 2016. 
Es fühlt sich einsam an.
 
Egal, ob ausser mir ein menschliches Wesen da ist oder nicht, die Couch und das Bett scheinen leer zu sein. Der Staubsauger wundert sich, warum keine Haare mehr da sind. Es ist komisch, nicht begrüßt zu werden, wenn man heim kommt. Komisch, traurig, seltsam.

Auftritt Nachbarskatze. 

Die Familie unter uns hat einen jungen Kater. er darf raus, nur mit dem wieder in die Wohnung lassen, da hapert es. Sogar sehr. Stundenlang maunzt sich hier ein hungriges Katzenwesen durch das Treppenhaus oder ergattert sich im Schreibwarenladen im Erdgeschoss Futter, das dort inzwischen vorrätig gehalten wird.
Auch wir füttern ab und an. Und schmusen. Dank des, nennen wir es unnetten, Papas unten hat das arme Tier auch vor Männern deutlich mehr Angst als vor Frauen.

Tja, leid tun mir aber die Kinder. Unten und auch unsere Tochter, die das kleine Fellknäuel auch schon in ihr grosses Herz geschlossen hat und sich Sorgen macht, wenn es draussen mal wieder regnet.

Wie es weitergeht? Keine Ahnung. Die Hauptsache ist aber, dass es dem kleinen Kerl gut geht.

Egal wo.

Warten

Warten.
Warten ist doof. Vor allem dann, wenn man auf einen wichtigen Anruf wartet. Oder eine Nachricht.

So wie wir hier gerade.

Umziehen müssen oder nicht, das ist die Frage, die uns gerade ziemlich fertig macht. Warum? Wegen evtl. Eigenbedarf des Vermieters. Das Tolle ist, dass wir ziemlich sicher sind, dass er hier gar nicht einziehen möchte, sondern dass es mehr um seine Freundin geht oder seine Eltern dahinter stecken. Familienpolitik in Kleinstadtmetzgereien sozusagen.

Tja, und da sitzen wir jetzt also seit gestern und warten darauf, dass seine Freundin oder wer auch immer sich entscheidet.

Das Kind ist abwechselnd traurig, hippelig oder unbeteiligt, aber wir wissen, wie sehr es sie belastet. Die Liebste ist angespannt bis zum platzen. Extrem viel Arbeit, sich krank fühlen und jetzt auch noch dieses Thema. Wer kann Ihr die Tränen verdenken?

Und ich? Ich platze auch bald. Gestern ging es noch, heute während der Arbeit war schlimm.

Umziehen ist hier gar nicht so einfach, denn die Mieten hier sind nicht gerade billig. Warum wohnen wir auch am Firmensitz der SAP? Ausserdem ist das Kind jetzt gerade mal ein halbes Jahr in der Schule und sie jetzt aus dem Klassenverband zu reissen, das wäre nicht gut. Es hängen zu viele Dinge daran. Die Problematik mit ihrem Vater, eine neue beste Freundin, die ihre Probleme versteht, da sie genau diese kennt, etc. Im Einzugsgebiet der Schule gibt es auch Gegenden, die völlig überteuert sind oder in die man einfach nicht ziehen möchte. Bei 14000 Einwohnern bleibt dann nicht mehr viel übrig.

Also sitze ich hier, bin froh, dass die Liebste einigermassen ruhig auf dem Sofa schläft und warte. Warte auf einen Anruf, der heute nicht mehr kommen wird.

Vielleicht ist das aber auch ein gutes Zeichen. Jet länger es dauert, bis der Anruf kommt, desto länger wird vielleicht diskutiert, ob oder ob nicht. Es deutet vielleicht darauf hin, dass wir vielleicht Glück haben und hier bleiben dürfen.

Denn hier bleiben, das würden wir gerne.

Und so redet man sich die Wartezeit schön und hofft.

Und wartet.

Kleine Fragen

Stiefpapa. Bonuspapa.Man kann es nennen, wie man will. Ist mir egal, wie man es nennt.
Ich bin es jetzt schon eine ganze Weile und ich bin es gern. Die Anfänge waren schwierig, weniger wegen dem Kind, sondern wegen dem Vater.
Inzwischen ist unser Verhältnis ein ganz Gutes.
Was für mich immer klar war, ist dass ich ihn nicht ersetzen kann und das auch gar nicht möchte. Warum auch?
Heute kamen Kind und die Liebste zu mir mit einer Frage. Sie haben es geschickt gemacht.

„K. hätte da mal eine Frage…“

Als ob es um Süßigkeiten, länger aufbleiben oder einen Film schauen geht. Nö, ging es aber nicht. So gar nicht. Kalt erwischt. Das haben sie mich.
Ob es für mich in Ordnung wäre, wenn die Kleine zu mir auch Papa sagt. Nicht immer, aber sie würde gerne wissen wollen, ob sie es dürfe, wenn Sie Lust darauf hat.

Bämm.

47 Jahre alt und in Sekundenbruchteilen den Tränen nahe auf die Knie gehen und das Kind umarmen.

Glück. Stolz. So schnell wird aus einem bis dahin miesen Tag etwas, das alles andere so klein aussehen lässt. So unwichtig.

Es sind immer die kleinen Dinge, die einen so umhauen.

Zum Mäuse melken…

…ist das doch.
Also das mit der Familie. Nicht der eigenen. Das ist eine andere Geschichte. Nein, es geht einfach um einen Teil dessen, was ich hier Familie nenne. Keinen direkten Teil. Eigentlich betrifft mich dieser Teil nur bedingt, aber gerade im Moment habe ich, zumindest indirekt, jeden Tag damit zu tun.

Und daraus resultierend auch mit Intoleranz, Ignoranz, Dummheit. Jahrelang verborgenen Gefühlen. Gesprächen, die nie stattfanden. Stummen Vorwürfen.

Der Auslöser?

Ein Hund. Zugegeben, ich liebe diesen Hund, aber er ist nunmal der Auslöser für diesen Mist, dieses Konglomerat aus allem, was eine Familie nicht sein sollte, wie sie nicht sein sollte. 

Ich verstehe das alles nicht. 

In meiner Familie gab es auch viel Scheisse, aber irgendwie ist es mir lieber, dass ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe, als das, was ich hier beobachte. Das hat für mich mit Familie nichts mehr zu tun. Emotional vegetiert man nebeneinander her. Kommunikation findet in 3-Wort-Fragen und 2-Wort-Antworten statt. Oder im Moment auch über WhatsApp. Dort kann man dem Anderen Vorwürfe machen, muss aber nicht in seine Augen sehen. Muss dem Blick nicht standhalten. 

Nicht dass da von der Gegenseite besonders viel kommen würde, man ist ja schliesslich in dieser Familie aufgewachsen, aber zundest versteht man, dass dies nicht der richtige Weg ist.

Es braucht Gespräche um die momentane Situation oder zumindest das Problem zu lösen, aber da beginnt das Problem ja schon. Gespräche. Man bittet uns um Hilfe, um Beistand bei diesen Gesprächen. Immerhin sind wir in Bezug auf den Hund betroffen, da er im Moment bei uns zur Pflege ist. Dem Halter ist vor Kurzem das Haus, in dem er und ein Teil dieser Familie wohnt, ausgebrannt. Eine der Fragen ist, ob der Hund eventuell dauerhaft oder zumindest zeitweise bei uns bleibt.

Mancher wird jetzt durch Twitter wissen, um was es geht.

Nun Ja, wir sind nicht erwünscht bei diesen Gesprächen. Die Familie ist der Meinung, wir wären nicht betroffen.

So, nicht betroffen? OK. Fuck You, doch das sind wir. Auf mehr als einer Ebene. Sogar das Kind bekommt mit, dass da was nicht stimmt.

Oder hat man Angst, dass endlich klare Worte fallen, das Dinge angesprochen werden, ausgegraben werden. Dinge aus dem familiären Hades, die besser dort bleiben sollten. Angst, dass mal jemand auf den Tisch haut und die Wahrheit sagt. 

Dass man die eigenen Monster aus dem Käfig lässt?

Egal wie es weitergeht, es wird hässlich werden. Sehr hässlich vielleicht.

Was uns bleibt, ist dem Kind beizubringen, dass es auch anders geht. Dass man Familie auch anders leben kann.

Mit Wärme. Mit Herz. Mit Liebe. Gemeinsam. Miteinander reden, lachen und auch weinen.

 

Woody