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Kategorie: Familie

Alte Zöpfe

Nun ist es also vorbei.
Das erste Grundschuljahr.

Schnell ging es. Wie im Flug. Schön war es.

Ich kann es noch nicht wirklich glauben, dass sie jetzt schon in die zweite Klasse kommt. Gestern war ich sie doch noch vom Kindergarten abholen. Oder vielleicht auch vorgestern.

Sie ist stolz auf ihr Zeugnis und das kann sie auch sein. Es ist ein gutes Zeugnis, wobei es ja eher eine Beurteilung, denn ein richtiges Zeugnis ist. Natürlich gibt es ein paar Kleinigkeiten, aber damit war zu rechnen, aber das sind zum Teil Dinge, für die sie nichts kann. Die aus den Ereignissen des letzten Jahres, dem Verhalten ihres leiblichen Vaters, seinen Fehlern, resultieren.

Dinge, die nicht nur ihr zu schaffen machen. Dinge, die auch uns oft an unsere Grenzen treiben. Wie soll ein siebenjähriges Kind das also verkraften, ohne dass Spuren zurück bleiben?

Gestern waren wir beim Friseur und sie wollte die Haare kürzer haben. Nicht ganz kurz, nur ein Stück, aber die langen Locken sind jetzt leider Geschichte. Vorbei die Zeit der langen Pferdeschwänze, der wallenden Mähne. Sie sieht anders aus, älter. Auf eine gewisse Weise erwachsener. Wir kommen noch nicht ganz damit klar, denn es hängen so viele Erinnerungen und Gefühle an den verschwundenen Locken. Bei der Liebsten natürlich noch viel mehr, als bei mir. Es ist hart.

Es ist aber auch schön auf eine gewisse Weise. Sie wirkte so erwachsen beim Friseur. Die letzten zwei Male waren wir noch mit einem kleinen Kind dort, gestern war es auf eine Art zwar immer noch ein Kind, aber die junge Frau, die sie einmal werden wird schimmerte schon durch.

Jetzt muss sie es nur noch schaffen, andere alte Zöpfe abzuschneiden und lernen, ihre Meinungen und Gefühle ihrem Papa gegenüber konsequent zu äussern. Viel davon klappt schon und er hat auch sicher gemerkt, dass es so nicht geht. wirklich daraus gelernt hat er aber noch nichts.

Und das weiss sie und es nagt an ihr. Jeden Tag, jede Minute. Wir versuchen, ihr eine Stütze zu sein, immer für sie da zu sein, aber die Mauern, die Enttäuschungen und die Wut, Ja, vor allem die Wut, sind m Moment noch zu groß. Oft genug sind wir die, auf die sie eindrischt in ihrer Wut, verbal und körperlich, aber der Weg auf dem wir sind scheint ein guter zu sein. Zumindest bestätigt uns das unser Umfeld und auch die Beratungsstelle, die wir aufgesucht haben.

Ich freue mich auf das nächste Jahr, die Herausforderungen des zweiten Schuljahres. Wir sind ziemlich dicht am Schulgeschehen dran, ad die Liebste Elternbeiratsvorsitzende ist und wir doch viel mitbekommen. Und das ist gut so. Gestern im Supermarkt trafen wir einen anderen Vater, der erzählte, wie wenig er mitbekommt. Irgendwie traurig. Ich bin froh, dass es hier anders ist.

 

Egal, es sind Ferien, die Schule muss warten.

 

Träume

Ein Haus. Ein schönes Haus. Nicht neu, nicht zu alt.Eine zwar seltsame, aber interessante Raumaufteilung. Platz ohne Ende. Ok, das Thema Heizung ist diskussionswürdig, aber man wird am Montag sehen, ob es für uns überhaupt in Bezug auf das Finanzielle interessant ist. Jetzt heißt es zuerst mal warten.
Wenn dann der Preis in dem Bereich liegt, der schon angesprochen wurde und alles andere auch klappt, dann liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass wir es nehmen.
Es gibt noch viele Fragen zu klären, viel zu überlegen, zu bedenken. Leicht machen wir es uns nicht. Zuviel hängt daran.
Aber der Traum bleibt und wird weiter geträumt, denn was wären wir ohne unsere Träume?
Was wären wir, wenn wir unseren Kindern keine Träume bieten würden?
Und jetzt warten wir eben und träumen weiter.

Warten

Warten.
Warten ist doof. Vor allem dann, wenn man auf einen wichtigen Anruf wartet. Oder eine Nachricht.

So wie wir hier gerade.

Umziehen müssen oder nicht, das ist die Frage, die uns gerade ziemlich fertig macht. Warum? Wegen evtl. Eigenbedarf des Vermieters. Das Tolle ist, dass wir ziemlich sicher sind, dass er hier gar nicht einziehen möchte, sondern dass es mehr um seine Freundin geht oder seine Eltern dahinter stecken. Familienpolitik in Kleinstadtmetzgereien sozusagen.

Tja, und da sitzen wir jetzt also seit gestern und warten darauf, dass seine Freundin oder wer auch immer sich entscheidet.

Das Kind ist abwechselnd traurig, hippelig oder unbeteiligt, aber wir wissen, wie sehr es sie belastet. Die Liebste ist angespannt bis zum platzen. Extrem viel Arbeit, sich krank fühlen und jetzt auch noch dieses Thema. Wer kann Ihr die Tränen verdenken?

Und ich? Ich platze auch bald. Gestern ging es noch, heute während der Arbeit war schlimm.

Umziehen ist hier gar nicht so einfach, denn die Mieten hier sind nicht gerade billig. Warum wohnen wir auch am Firmensitz der SAP? Ausserdem ist das Kind jetzt gerade mal ein halbes Jahr in der Schule und sie jetzt aus dem Klassenverband zu reissen, das wäre nicht gut. Es hängen zu viele Dinge daran. Die Problematik mit ihrem Vater, eine neue beste Freundin, die ihre Probleme versteht, da sie genau diese kennt, etc. Im Einzugsgebiet der Schule gibt es auch Gegenden, die völlig überteuert sind oder in die man einfach nicht ziehen möchte. Bei 14000 Einwohnern bleibt dann nicht mehr viel übrig.

Also sitze ich hier, bin froh, dass die Liebste einigermassen ruhig auf dem Sofa schläft und warte. Warte auf einen Anruf, der heute nicht mehr kommen wird.

Vielleicht ist das aber auch ein gutes Zeichen. Jet länger es dauert, bis der Anruf kommt, desto länger wird vielleicht diskutiert, ob oder ob nicht. Es deutet vielleicht darauf hin, dass wir vielleicht Glück haben und hier bleiben dürfen.

Denn hier bleiben, das würden wir gerne.

Und so redet man sich die Wartezeit schön und hofft.

Und wartet.

Harmlos

Man kennt das ja…
Da denkt man gerade mal wieder so ganz gemütlich gar nichts und dann kommt das Leben um die Ecke und fickt dich mal eben so ganz nebenbei von der Seite voll ins Knie. Einfach so. Ohne Grund.

Dieses Leben ist schon ein fieser Hund. Wiegt Dich in Sicherheit, lässt zu, dass der Alltag einen einlullt und dann…

Peng.

Genau zwischen die Augen. Mit der 45er.

Eigenbedarf. Eigentlich ein harmloses Wort. Haben wir doch alle. Eigenbedarf. Dumm nur, wenn es um den eigenen Lebensraum, das Heim, das Nest geht. Da hört der Spaß auf und in dem eigentlich harmlosen Wort zeigt sich des Teufels grinsende Fratze und nimmt sich mal, so ganz nebenbei, Dein Knie vor.

Und Du merkst, wie sehr der Alltag, die Arbeit, die kleinen, alltäglichen Dinge in den letzten Monaten eigentlich gestresst haben und das so sorgsam aufgebaute Gerüst aus „Ach, das wird schon“ und „Geht schon“ einfach so zusammenbricht und das Nervenkostüm seiner letzten Hüllen beraubt. 

Noch ist nichts endgültig entschieden und wer mag, der darf uns am Donnerstag Abend die gesammelten Daumen und Zehen drücken.

Bis dahin können die Liebste und ich uns leider viel zuwenig in die Arme nehmen, da die Arbeit es leider nicht anders zulässt und wir uns kaum sehen oder einfach auch so zuviel zu tun haben. 

Vielleicht geht ja auch alles gut und das Ganze löst sich in Luft auf. Die Chance dazu ist da. Einschätzen können wir es nicht, da wir die Person, von der es abhängt, leider nicht kennen.

Bis dahin heisst es hoffen, dass die Wohnung nicht gefällt.


Und ich geh dann mal Knieschützer kaufen.

 


Montage

Erkältung.
Schlecht geschlafen.

Hunderunde im Schneeregen.

Kind mit Bauchschmerzen.

Besuch beim Kinderarzt.

Volle Wartezimmer.

Verdacht auf Scharlach.

Zickende Rezeptdrucker.

Kaffeemangel.

Eigener Arzttermin.

Überweisung zum Lungenfacharzt.

Zickende Chefs.

Nicht krank melden.

Anschiss vom Arzt.

Medikamente nicht vorrätig.

Bestellen.

Heim kommen.

Hund frisst Schokolade samt Verpackung.

 

Montagspoesie.

 

Kleine Fragen

Stiefpapa. Bonuspapa.Man kann es nennen, wie man will. Ist mir egal, wie man es nennt.
Ich bin es jetzt schon eine ganze Weile und ich bin es gern. Die Anfänge waren schwierig, weniger wegen dem Kind, sondern wegen dem Vater.
Inzwischen ist unser Verhältnis ein ganz Gutes.
Was für mich immer klar war, ist dass ich ihn nicht ersetzen kann und das auch gar nicht möchte. Warum auch?
Heute kamen Kind und die Liebste zu mir mit einer Frage. Sie haben es geschickt gemacht.

„K. hätte da mal eine Frage…“

Als ob es um Süßigkeiten, länger aufbleiben oder einen Film schauen geht. Nö, ging es aber nicht. So gar nicht. Kalt erwischt. Das haben sie mich.
Ob es für mich in Ordnung wäre, wenn die Kleine zu mir auch Papa sagt. Nicht immer, aber sie würde gerne wissen wollen, ob sie es dürfe, wenn Sie Lust darauf hat.

Bämm.

47 Jahre alt und in Sekundenbruchteilen den Tränen nahe auf die Knie gehen und das Kind umarmen.

Glück. Stolz. So schnell wird aus einem bis dahin miesen Tag etwas, das alles andere so klein aussehen lässt. So unwichtig.

Es sind immer die kleinen Dinge, die einen so umhauen.

Zum Mäuse melken…

…ist das doch.
Also das mit der Familie. Nicht der eigenen. Das ist eine andere Geschichte. Nein, es geht einfach um einen Teil dessen, was ich hier Familie nenne. Keinen direkten Teil. Eigentlich betrifft mich dieser Teil nur bedingt, aber gerade im Moment habe ich, zumindest indirekt, jeden Tag damit zu tun.

Und daraus resultierend auch mit Intoleranz, Ignoranz, Dummheit. Jahrelang verborgenen Gefühlen. Gesprächen, die nie stattfanden. Stummen Vorwürfen.

Der Auslöser?

Ein Hund. Zugegeben, ich liebe diesen Hund, aber er ist nunmal der Auslöser für diesen Mist, dieses Konglomerat aus allem, was eine Familie nicht sein sollte, wie sie nicht sein sollte. 

Ich verstehe das alles nicht. 

In meiner Familie gab es auch viel Scheisse, aber irgendwie ist es mir lieber, dass ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe, als das, was ich hier beobachte. Das hat für mich mit Familie nichts mehr zu tun. Emotional vegetiert man nebeneinander her. Kommunikation findet in 3-Wort-Fragen und 2-Wort-Antworten statt. Oder im Moment auch über WhatsApp. Dort kann man dem Anderen Vorwürfe machen, muss aber nicht in seine Augen sehen. Muss dem Blick nicht standhalten. 

Nicht dass da von der Gegenseite besonders viel kommen würde, man ist ja schliesslich in dieser Familie aufgewachsen, aber zundest versteht man, dass dies nicht der richtige Weg ist.

Es braucht Gespräche um die momentane Situation oder zumindest das Problem zu lösen, aber da beginnt das Problem ja schon. Gespräche. Man bittet uns um Hilfe, um Beistand bei diesen Gesprächen. Immerhin sind wir in Bezug auf den Hund betroffen, da er im Moment bei uns zur Pflege ist. Dem Halter ist vor Kurzem das Haus, in dem er und ein Teil dieser Familie wohnt, ausgebrannt. Eine der Fragen ist, ob der Hund eventuell dauerhaft oder zumindest zeitweise bei uns bleibt.

Mancher wird jetzt durch Twitter wissen, um was es geht.

Nun Ja, wir sind nicht erwünscht bei diesen Gesprächen. Die Familie ist der Meinung, wir wären nicht betroffen.

So, nicht betroffen? OK. Fuck You, doch das sind wir. Auf mehr als einer Ebene. Sogar das Kind bekommt mit, dass da was nicht stimmt.

Oder hat man Angst, dass endlich klare Worte fallen, das Dinge angesprochen werden, ausgegraben werden. Dinge aus dem familiären Hades, die besser dort bleiben sollten. Angst, dass mal jemand auf den Tisch haut und die Wahrheit sagt. 

Dass man die eigenen Monster aus dem Käfig lässt?

Egal wie es weitergeht, es wird hässlich werden. Sehr hässlich vielleicht.

Was uns bleibt, ist dem Kind beizubringen, dass es auch anders geht. Dass man Familie auch anders leben kann.

Mit Wärme. Mit Herz. Mit Liebe. Gemeinsam. Miteinander reden, lachen und auch weinen.

 

Woody