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Kategorie: Familie

Harmlos

Man kennt das ja…
Da denkt man gerade mal wieder so ganz gemütlich gar nichts und dann kommt das Leben um die Ecke und fickt dich mal eben so ganz nebenbei von der Seite voll ins Knie. Einfach so. Ohne Grund.

Dieses Leben ist schon ein fieser Hund. Wiegt Dich in Sicherheit, lässt zu, dass der Alltag einen einlullt und dann…

Peng.

Genau zwischen die Augen. Mit der 45er.

Eigenbedarf. Eigentlich ein harmloses Wort. Haben wir doch alle. Eigenbedarf. Dumm nur, wenn es um den eigenen Lebensraum, das Heim, das Nest geht. Da hört der Spaß auf und in dem eigentlich harmlosen Wort zeigt sich des Teufels grinsende Fratze und nimmt sich mal, so ganz nebenbei, Dein Knie vor.

Und Du merkst, wie sehr der Alltag, die Arbeit, die kleinen, alltäglichen Dinge in den letzten Monaten eigentlich gestresst haben und das so sorgsam aufgebaute Gerüst aus „Ach, das wird schon“ und „Geht schon“ einfach so zusammenbricht und das Nervenkostüm seiner letzten Hüllen beraubt. 

Noch ist nichts endgültig entschieden und wer mag, der darf uns am Donnerstag Abend die gesammelten Daumen und Zehen drücken.

Bis dahin können die Liebste und ich uns leider viel zuwenig in die Arme nehmen, da die Arbeit es leider nicht anders zulässt und wir uns kaum sehen oder einfach auch so zuviel zu tun haben. 

Vielleicht geht ja auch alles gut und das Ganze löst sich in Luft auf. Die Chance dazu ist da. Einschätzen können wir es nicht, da wir die Person, von der es abhängt, leider nicht kennen.

Bis dahin heisst es hoffen, dass die Wohnung nicht gefällt.


Und ich geh dann mal Knieschützer kaufen.

 


Montage

Erkältung.
Schlecht geschlafen.

Hunderunde im Schneeregen.

Kind mit Bauchschmerzen.

Besuch beim Kinderarzt.

Volle Wartezimmer.

Verdacht auf Scharlach.

Zickende Rezeptdrucker.

Kaffeemangel.

Eigener Arzttermin.

Überweisung zum Lungenfacharzt.

Zickende Chefs.

Nicht krank melden.

Anschiss vom Arzt.

Medikamente nicht vorrätig.

Bestellen.

Heim kommen.

Hund frisst Schokolade samt Verpackung.

 

Montagspoesie.

 

Kleine Fragen

Stiefpapa. Bonuspapa.Man kann es nennen, wie man will. Ist mir egal, wie man es nennt.
Ich bin es jetzt schon eine ganze Weile und ich bin es gern. Die Anfänge waren schwierig, weniger wegen dem Kind, sondern wegen dem Vater.
Inzwischen ist unser Verhältnis ein ganz Gutes.
Was für mich immer klar war, ist dass ich ihn nicht ersetzen kann und das auch gar nicht möchte. Warum auch?
Heute kamen Kind und die Liebste zu mir mit einer Frage. Sie haben es geschickt gemacht.

„K. hätte da mal eine Frage…“

Als ob es um Süßigkeiten, länger aufbleiben oder einen Film schauen geht. Nö, ging es aber nicht. So gar nicht. Kalt erwischt. Das haben sie mich.
Ob es für mich in Ordnung wäre, wenn die Kleine zu mir auch Papa sagt. Nicht immer, aber sie würde gerne wissen wollen, ob sie es dürfe, wenn Sie Lust darauf hat.

Bämm.

47 Jahre alt und in Sekundenbruchteilen den Tränen nahe auf die Knie gehen und das Kind umarmen.

Glück. Stolz. So schnell wird aus einem bis dahin miesen Tag etwas, das alles andere so klein aussehen lässt. So unwichtig.

Es sind immer die kleinen Dinge, die einen so umhauen.

Zum Mäuse melken…

…ist das doch.
Also das mit der Familie. Nicht der eigenen. Das ist eine andere Geschichte. Nein, es geht einfach um einen Teil dessen, was ich hier Familie nenne. Keinen direkten Teil. Eigentlich betrifft mich dieser Teil nur bedingt, aber gerade im Moment habe ich, zumindest indirekt, jeden Tag damit zu tun.

Und daraus resultierend auch mit Intoleranz, Ignoranz, Dummheit. Jahrelang verborgenen Gefühlen. Gesprächen, die nie stattfanden. Stummen Vorwürfen.

Der Auslöser?

Ein Hund. Zugegeben, ich liebe diesen Hund, aber er ist nunmal der Auslöser für diesen Mist, dieses Konglomerat aus allem, was eine Familie nicht sein sollte, wie sie nicht sein sollte. 

Ich verstehe das alles nicht. 

In meiner Familie gab es auch viel Scheisse, aber irgendwie ist es mir lieber, dass ich seit Jahren keinen Kontakt mehr habe, als das, was ich hier beobachte. Das hat für mich mit Familie nichts mehr zu tun. Emotional vegetiert man nebeneinander her. Kommunikation findet in 3-Wort-Fragen und 2-Wort-Antworten statt. Oder im Moment auch über WhatsApp. Dort kann man dem Anderen Vorwürfe machen, muss aber nicht in seine Augen sehen. Muss dem Blick nicht standhalten. 

Nicht dass da von der Gegenseite besonders viel kommen würde, man ist ja schliesslich in dieser Familie aufgewachsen, aber zundest versteht man, dass dies nicht der richtige Weg ist.

Es braucht Gespräche um die momentane Situation oder zumindest das Problem zu lösen, aber da beginnt das Problem ja schon. Gespräche. Man bittet uns um Hilfe, um Beistand bei diesen Gesprächen. Immerhin sind wir in Bezug auf den Hund betroffen, da er im Moment bei uns zur Pflege ist. Dem Halter ist vor Kurzem das Haus, in dem er und ein Teil dieser Familie wohnt, ausgebrannt. Eine der Fragen ist, ob der Hund eventuell dauerhaft oder zumindest zeitweise bei uns bleibt.

Mancher wird jetzt durch Twitter wissen, um was es geht.

Nun Ja, wir sind nicht erwünscht bei diesen Gesprächen. Die Familie ist der Meinung, wir wären nicht betroffen.

So, nicht betroffen? OK. Fuck You, doch das sind wir. Auf mehr als einer Ebene. Sogar das Kind bekommt mit, dass da was nicht stimmt.

Oder hat man Angst, dass endlich klare Worte fallen, das Dinge angesprochen werden, ausgegraben werden. Dinge aus dem familiären Hades, die besser dort bleiben sollten. Angst, dass mal jemand auf den Tisch haut und die Wahrheit sagt. 

Dass man die eigenen Monster aus dem Käfig lässt?

Egal wie es weitergeht, es wird hässlich werden. Sehr hässlich vielleicht.

Was uns bleibt, ist dem Kind beizubringen, dass es auch anders geht. Dass man Familie auch anders leben kann.

Mit Wärme. Mit Herz. Mit Liebe. Gemeinsam. Miteinander reden, lachen und auch weinen.

 

Woody