Normal

Ich bin wieder normal.

Ok, es gibt sicher einige aus meinem Bekanntenkreis, die diese Aussage vehement bestreiten würden.

Zumindest fühle ich mich wieder normal, denn ich habe wieder ein normales Girokonto mit Kreditkarte.

Vor einigen Jahren hatte ich das Pech für einen Chef zu arbeiten, der meinte, er müsse nicht bezahlen. Das in Verbindung mit der Tatsache, dass ich mich kurz vorher von meiner damaligen Freundin getrennt hatte, war tödlich für meinen Kontostand. Anschaffungen für die neue Wohnung, Mietkaution, etc. kosteten eben. Rücklagen waren durch mehrjährige Krankheit ihrerseits und auch einen etwas zu hohen Lebensstandard nicht mehr vorhanden.

Und dann stehst du da und weißt nicht, von was du dein Abendessen bezahlen sollst. Das Übliche. Kredit geplatzt, etc.

Am Ende bin ich mit Hilfe von Freunden und neuer Freundin gut rausgekommen.

Den Schufamist hatte ich trotzdem an der Backe. Ein normales Konto, das alte hatte mir die liebe Deutsche Bank gekündigt, bekam ich nicht mehr. Es gibt zum Glück Lösungen wie Guthabenkonten bei der Sparkasse. Eigentlich wollte ich da nie hin. Es blieb ja aber nichts anderes übrig. Als N26 dann auf der Bildfläche erschien war ich einer der ersten Kunden und habe es nicht bereut. Vor allem zur Zeit in Hinblick auf die Einführung von Apple Pay in Laufe dieses Jahres. Einen Dispo oder ähnliches für Notfälle gab es für mich aber auch dort nicht. Nicht kreditwürdig, nicht vertrauenswürdig, irgendwie außerhalb.

Jetzt die Überraschung vor ein paar Tagen. Plötzlich kam die Nachricht, ich wäre jetzt für einen Dispo freigeschaltet. Am nächsten Tag auch die Änderungsmitteilung der Schufa bezüglich meines Scores. Das bedeutete für mich aber auch die sofortige Abkehr von der Sparkasse. Also informiert und ein Konto bei einer Direktbank geklickt, die mir hier in dieser Kleinstadt sogar mehr Möglichkeiten bietet, Bargeld zu holen als der Dinosaurier Sparkasse. Inklusive einer vollwertigen Kreditkarte. Von den Gebühren ganz zu schweigen.

Es macht etwas mit einem. Man ist kein Mensch zweiter Klasse mehr. Natürlich war man das auch nie, aber es gab Situationen, in denen man sich so gefühlt hat. So behandelt wurde. Auf der Bank, bei Dingen, die man nicht tun kann, wie einen Mobilfunkvertrag anschließen oder ähnliches. Jetzt geht das wieder. Es erleichtert auch die Wohnungssuche, wenn man dem Vermieter nicht das Blaue vom Himmel runter erzählen muss, sondern einfach sagen kann, dass alles normal bei einem ist.

Es ist ein gutes Gefühl.

Der Chef von damals, der mir bis heute noch 2500 Euro schuldet, hat sich übrigens nicht geändert. Er treibt seine Spielchen immer noch und kommt immer wieder damit durch.

Irgendwann, irgendwie werden sie ihn kriegen. Ob es das Finanzamt sein wird oder seine Freunde aus dem Frankfurter Rockermillieu ist mir egal. Ich hoffe aber auf letzteres. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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