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Monat: August 2015

Das Beste ist nicht gut genug

So, ich bin also laut Aussage des Kindes der beste Papa der Welt.
Dabei bin ich noch nicht mal der leibliche Vater.

Und es ist mir egal…

Es macht keinen Unterschied…

Ich habe auch einen leiblichen Sohn, zu dem ich leider keinen Kontakt habe. Warum und wieso soll jetzt nicht das Thema sein. Vielleicht ein anderes Mal. Es ist eine eigene Geschichte, eine lange Geschichte. Nicht heute.

Heute geht es um ein 7 Jahre altes Mädchen, das ich liebe, als ob es meine eigene Tochter wäre. Diesem Mädchen geht es nicht gut, sie leidet. Sie ist wütend, sehr wütend. Sie ist traurig. Sehr traurig. Wir spüren es jede Minute, die sie wach ist. Ein Wunder, dass sie trotzdem schläft. Es ist der Vater. Der leibliche. Alkohol kann ein Fluch sein. Er kann eine Siebenjährige zu Sätzen bringen, die einem das Herz zerreissen. Die einen wütend machen auf den Verursacher. Die Wut hilft nur nicht weiter. Es bringt dem Kind genau gar nichts. Also halten wir irgendwie durch, sind für das Kind da. Trösten es, reden, streicheln, erklären jeden Tag wieder aufs Neue. Versuchen einfach da zu sein, Gute Eltern zu sein.

Wir haben uns auch Hilfe geholt. Professionelle. Eine Beratungsstelle. Irgendwann ist man einfach mit seinem Latein am Ende. Wir scheinen auf einem guten Weg zu sein, zumindest wurde uns das gesagt. Wir scheinen soweit erst einmal alles richtig gemacht zu haben. Das beruhigt zwar irgendwie, gibt Vertrauen in das eigene Tun, aber einfacher wird es nicht. Der tägliche Kampf, die Wutanfälle, die direkt danach bereut werden, die Trauer, die Selbstvorwürfe des kleinen Herzens. Das alles zehrt an unseren Nerven. Vom normalen Real Life zwischen Arbeit, Einkauf und zu wenig Schlaf mal ganz abgesehen.

 

Und dann fallen zwischen all diesem Wahnsinn einfach so ganz nebenbei auf der Couch diese Worte…

Der beste Papa der Welt. Wow.

Sprachlos. Stolz wie Bolle. Glücklich.

 

Und traurig.

 

Denn leider wird sie nicht sagen, ihr seid die besten Papas der Welt. Dafür ist im Moment zu viel Hass, Wut und Trauer in ihr.

Aber vielleicht kann sie es ja irgendwann einmal sagen. Von ganzem Herzen. Das würde mich dann noch viel glücklicher machen, denn es würde bedeuten, dass auch sie es wieder viel mehr sein kann, als es im Moment der Fall ist.

Denn das Beste ist nicht gut genug.

 

 

Umgangsformen

Es ist schon komisch mit den Menschen.
Vor einiger Zeit habe ich in einem Gespräch nach Feierabend an meinem letzten Tag vor dem Urlaub mit meinem Küchenchef und seinem Stellvertreter dem Küchenchef einige Dinge gesagt, die ihm nicht passten. Ich habe ihn, bzw. beide kritisiert. Ihr Vorgehen, Arbeitsweisen und Personalplanung in Frage gestellt. Klar gesagt, er habe von Personal- und Teamführung keine Ahnung.
Warum?
Weil ich dieser Meinung war und bin und es Zeit war, dass jemand den Mund aufmacht.
Seine Konsequenz: Eine Kündigungsankündigung per WhatsApp ein paar Tage später und ein Brief im Briefkasten noch während meiner Woche Urlaub.
Per WhatsApp. Ohne weiteres persönliches Gespräch, ohne Abmahnung, ohne Begründung.
Kann man machen, ist aber…Nun Ja, Sie wissen, was ich meine.
Kündigungsschutzklage. Weiterführung des Arbeitsverhältnisses. Kollegen, die nicht verstehen, was eigentlich los war. Die mir zustimmen. Die Gründe nicht verstehen.
Also weiterarbeiten. Kein Wort von einem der Chefs. Ich arbeite einfach wieder. Als ob nichts gewesen wäre. Nur die Kollegen erkundigen sich.
Nach einer Woche werde ich krank. Der Rücken mal wieder. Nichts Neues. Einmal Bandscheiben, immer Bandscheiben sozusagen. Eine Woche krank daheim, dann weiterarbeiten. Es wird schon gehen.
Tja, der Teufel ist ein Eichhörnchen…
Eine Woche später Schmerzen im Fuß. Nicht auftreten können. Die Frühschicht noch weitermachen bis die nächsten zur Spätschicht kommen,damit der Kollege nicht alleine die Frühschicht fertig machen muss. Schmerzen.
Diagnose am nächsten Tag: Sehnenscheidenentzündung im Fußballen. Am großen Zeh. WTF?

Ich wusste nicht mal, das man so etwas haben kann. Ändern kann ich es aber auch nicht.

Nach dem Arztbesuch der Anruf bei der Arbeit und die Krankmeldung.
Der nächste Tag.
Eine Nachricht auf dem Telefon.
Ja, wieder WhatsApp.
Ich lese die Nachricht zweimal. Dreimal. Mache als erstes einen Screenshot. Rufe die Liebste bei der Arbeit an und schicke ihr dann den Screenshot. Sie ist sprachlos. Ihr Chef übrigens auch.
Warum?
Weil die Nachricht nur aus persönlichen Beleidigungen und Drohungen besteht. Es ist von „Pussy“ und „Kollegenschwein“ die Rede.
Ich verstehe nicht, wie man sich als Vorgesetzter so gehen lassen kann. Ja, es ist Urlaubszeit und ich bin nicht der Einzige, der krank ist, aber darf man als Führungskraft so mit seinen Mitarbeitern umgehen? Ich denke nicht. Ich denke auch nicht, dass andere kranke Kollegen solche Nachrichten bekommen haben. Ich aber habe kritisiert, meine Meinung gesagt. Die Teamführung angeprangert, die Führunsqualitäten in Frage gestellt.

Anscheinend zu Recht.
Und ich werde es wieder tun.

Alte Zöpfe

Nun ist es also vorbei.
Das erste Grundschuljahr.

Schnell ging es. Wie im Flug. Schön war es.

Ich kann es noch nicht wirklich glauben, dass sie jetzt schon in die zweite Klasse kommt. Gestern war ich sie doch noch vom Kindergarten abholen. Oder vielleicht auch vorgestern.

Sie ist stolz auf ihr Zeugnis und das kann sie auch sein. Es ist ein gutes Zeugnis, wobei es ja eher eine Beurteilung, denn ein richtiges Zeugnis ist. Natürlich gibt es ein paar Kleinigkeiten, aber damit war zu rechnen, aber das sind zum Teil Dinge, für die sie nichts kann. Die aus den Ereignissen des letzten Jahres, dem Verhalten ihres leiblichen Vaters, seinen Fehlern, resultieren.

Dinge, die nicht nur ihr zu schaffen machen. Dinge, die auch uns oft an unsere Grenzen treiben. Wie soll ein siebenjähriges Kind das also verkraften, ohne dass Spuren zurück bleiben?

Gestern waren wir beim Friseur und sie wollte die Haare kürzer haben. Nicht ganz kurz, nur ein Stück, aber die langen Locken sind jetzt leider Geschichte. Vorbei die Zeit der langen Pferdeschwänze, der wallenden Mähne. Sie sieht anders aus, älter. Auf eine gewisse Weise erwachsener. Wir kommen noch nicht ganz damit klar, denn es hängen so viele Erinnerungen und Gefühle an den verschwundenen Locken. Bei der Liebsten natürlich noch viel mehr, als bei mir. Es ist hart.

Es ist aber auch schön auf eine gewisse Weise. Sie wirkte so erwachsen beim Friseur. Die letzten zwei Male waren wir noch mit einem kleinen Kind dort, gestern war es auf eine Art zwar immer noch ein Kind, aber die junge Frau, die sie einmal werden wird schimmerte schon durch.

Jetzt muss sie es nur noch schaffen, andere alte Zöpfe abzuschneiden und lernen, ihre Meinungen und Gefühle ihrem Papa gegenüber konsequent zu äussern. Viel davon klappt schon und er hat auch sicher gemerkt, dass es so nicht geht. wirklich daraus gelernt hat er aber noch nichts.

Und das weiss sie und es nagt an ihr. Jeden Tag, jede Minute. Wir versuchen, ihr eine Stütze zu sein, immer für sie da zu sein, aber die Mauern, die Enttäuschungen und die Wut, Ja, vor allem die Wut, sind m Moment noch zu groß. Oft genug sind wir die, auf die sie eindrischt in ihrer Wut, verbal und körperlich, aber der Weg auf dem wir sind scheint ein guter zu sein. Zumindest bestätigt uns das unser Umfeld und auch die Beratungsstelle, die wir aufgesucht haben.

Ich freue mich auf das nächste Jahr, die Herausforderungen des zweiten Schuljahres. Wir sind ziemlich dicht am Schulgeschehen dran, ad die Liebste Elternbeiratsvorsitzende ist und wir doch viel mitbekommen. Und das ist gut so. Gestern im Supermarkt trafen wir einen anderen Vater, der erzählte, wie wenig er mitbekommt. Irgendwie traurig. Ich bin froh, dass es hier anders ist.

 

Egal, es sind Ferien, die Schule muss warten.