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Monat: Dezember 2014

Entmaterialisierung.

35 Minuten Busfahrt. Jeden Tag. Zweimal.
Und immer die Kopfhörer im Ohr. Die Welt vor der Arbeit nochmal ausblenden und abends nach Feierabend die Arbeit ausblenden und die Welt zur Ruhe kommen lassen.
Klingt nach einem Plan, klappt aber leider oft nicht.
Der Kopf ist zu voll, die Gedanken rasen. Es will sich einfach keine Ruhe einstellen.

Trotzdem fühlt sich der Körper irgendwie anders an, die Welt rückt in den Hintergrund, wirr schweifen die Gedanken umher. Irgendwie wird alles unwirklich. Tritt in den Hintergrund.

Die Musik wird zur Welt, die Stimmen im Podcast lullen Dich ein, sind im Kopf statt nur im Ohr. Die Gesichter der Mitfahrer verschwimmen, werden eins mit den Mustern auf den Sitzen. Vielleicht sind es ja auch die Muster, diese irren, wohl unter Drogen gemalten surrealen Muster. Man muss schon sehr krank sein, um Muster für Bussitze zu machen. Muss den LSD Trip seines Lebens hinter sich haben. Denke ich zumindest, wenn ich diese Ausgeburten eines auf Speed hängengebliebenen Zeichenprogramms sehe.

Und schliesse die Augen, lausche lieber wieder den Stimmen in meinem Kopf oder der Musik.

Entmaterialisiert.

Herzheimat

Daheim. Zuhause. 

Ich hatte so einige und doch irgendwie keines.

Zuhause bedeutet ja auch irgendwie Familie und naürlich hatte und habe ich Familie. Ich habe nur keinen Kontakt meht zu dieser Familie.

Warum? Eine lange Geschichte…

Zu lange und zu kompliziert, um sie hier und jetzt zu erzählen.

Als Kind war es einfach. Daheim war da, wo man wohnt, wo man sich zuhause fühlt. Leider begannen da schon die Probleme. Ich weiss gar nicht mehr, ob ich mich dort wirklich zuhause gefühlt habe.

Aufgewachsen bin ich, bis ich 14 war, bei meiner Großtante und bei meinen Großeltern. Ja, ich habe mich geborgen gefühlt, habe viel Liebe erfahren, aber leider hat die Familiengeschichte diesem Geborgenheitsgefühl immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Es wurde immer wieder gegen Teile der Familie, oft genug auch meine Eltern gehetzt von Seiten meiner Großeltern. Meinen Vater habe ich nie kennen gelernt, habe nur ein paar Mal mit ihm telefoniert, als ich schon über 30 war.

Es war eine Scheissstimmung.

Trotzdem war es ein Zuhause. Ein gutes. Zumindest in vielen Dingen. Es hat mich auch viel gelehrt.

Toleranz vor allem. Mein Großvater war, wie ich heute weiss, eher dem rechten Spektrum der CDU zuzuordnen. Heute würde er wahrscheinlich AfD wählen. Damals waren Salafisten oder Islamisten kein Thema, aber ich kann mich gut erinnern, wie er alles, das politisch nicht nach seiner Nase lief, auf irgendeine Art „den Juden“ vorwarf.

Ich fand das als Kind schon faszinierend, komisch, unglaubwürdig, was er da so von sich gab.

Und ganz still und heimlich hat er mich auf diese Weise zu einem toleranten Menschen gemacht, der mir dieser Art von politischem Extremismus nichts anfangen konnte.

Er hat mich, ohne es zu wollen, von Kind auf darauf vorbereitet, einmal im eher linken Lager zu landen.

Egal, ob es um Politik oder die Familie ging, gerade seine Meinungen zu diesen Dingen haben mich geprägt. 

Nur nicht so, wie er es gerne gehabt hätte.

Ich muss diesem Mann wirklich dankbar sein.

Er gab mir ein zuhause und eine Meinung.

„Home is where your heart is“

Zeitsprung…

Im Heute.

Heute bin da zuhause, wo auch mein Herz ist. Bei einer Frau, die ich jetzt 23 Jahre kenne. die ich zwar zwischendurch 17 Jahre nicht gesehen habe, die aber nie aus meinem Herz verschwunden war. Bei ihrem Kind, das zwar vielleicht nicht mein leibliches Kind ist, für das ich aber so empfinde.

Ja, es fehlt sicher viel in diesem Text über Familie, aber wie gesagt, die ganze Geschichte würde den Rahmen sprengen.

Klar ist auf jeden Fall, dass ich ohne meinen Großvater und seine kruden, von der BILD geprägten Meinungen vielleicht nie in die linken Jugendkulturen der 80er gerutscht wäre, ich nie am Bismarckplatz in Heidelberg 1991 durch die Punks diese eine Frau kennen gelernt hätte.

Mein Herz ist heute da, wo es sein möchte, wo es sich wohlfühlt, wo es sich geborgen und geliebt fühlt. Man liebt sich und man streitet sich auch. Aufs heftigste. Trotzallem fühlt sich mein Herz heute bei dieser Frau (und auch ihrer Familie übrigens) auf so viele Arten mehr daheim, als es jemals zuvor der Fall war. 

Was soll ich sagen? Eigentlich entstand dieser Post dank Twitter und ein paar kuzen Worten zum Thema „Zuhause“ und was ist daraus geworden? 

Wie immer bei diesem Thema kommen zu viele Erinnerungen hoch aus der Kindheit. 

Egal, ich bin zuhause. Bei Frau und Kind.

Danke, Opa.

Diese Tage…

Kein Mensch braucht sie. Kein Mensch will sie.Nur leider passieren sie. Überrumpeln Dich. Mit einer Dampfwalze.
Leise flüstert eine Stimme in Dein Ohr, dass auch so ein Tag zu Ende geht, aber Du hörst es kaum, da die Realität mit aller Macht in Dein rechtes Ohr brüllt und Du mit dem linken Ohr die Stimme des Kollegen hörst, der die nächsten Essen annonciert, die zu kochen sind,
Der Bondrucker spuckt die nächsten Tische aus, der Grill ist voll, der Herd ist voll. Lärm, Stress, zu viele Stimmen.
Du bist in Deiner eigenen Welt, funktionierst blind. Bis Du an den heissen Pfannengriff fasst und „Scheisse“ brüllst. Egal, weiter, der nächste Tisch ist abgerufen.
Der Kopf will nicht mehr, Herzschlag 180.

Feierabend.

Nur dumm, dass Kopf und Körper das noch lange nicht realisieren. Im Kopf immer noch zu viele Stimmen, der Körper auch immer noch im Speed-Modus.

Alltag.